Zerschlagen

Zerschlagen

Gedanken leer
Gefühle schwer
ohne Wiederkehr.

Endlos verwirrt,
vergangen , verirrt.
Empfindung verzerrt.

Nächtliches Scheiden,
unmöglich zu bleiben
im Lebensreigen.

Suchend dich,
suchend mich
sterbe ich.

©Michael Kalters

 

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Der Blick

Nur ein Blick

Sie und sie und ich
im Raum. Ganz offiziell.
Sie und sie und ich
und weißes Licht so grell.

Ein paar Worte ausgetauscht.
über sie und mich.
Gegenseitig dann gelauscht,
Sie und sie und ich.

Plötzlich eine sie
der beiden, hier im Raum,
schaut mich an wie nie
als wäre es ein Traum.

Sie und sie und ich
Und doch nur ich und du.
Wie überraschst du mich!
Lässt mich nicht mehr in Ruh‘.

Mein Name – dir vertraut,
der deine ist noch unentdeckt.
Dein Blick macht Gänsehaut.
Wir haben uns entdeckt!

Sie und du und ich
im Raum. Ganz offiziell.
Sie und du und ich
Nur wir beide brennen hell.

©Michael Kaltersface-419202_640.jpg

Der Coffeeshop

Der Coffeeshop

Wie immer Durst am Morgen
Schlich ein Schatten meiner selbst
Innendrin nur voll mit Sorgen
Zum Coffeeshop.

Wie immer Sehnsucht spürend
Trat ich durch die Tür
Innendrin noch immer frierend
In den Coffeeshop.

Die Freude taute langsam auf
Wie immer wartete mein Tisch
Dann nahm alles seinen Lauf
Im Coffeeshop.

Wie immer an dem Fenster dort
Wartete mein Stuhl auf mich.
Es war mein Rückzugsort
Im Coffeeshop.

Panik heute! Mein Platz nicht frei!
Jemanden mit langem Haar
Schien es einerlei
Im Coffeeshop

Zerstört am Boden und umnachtet
Nahm ich den noch freien Stuhl
Hab nicht auf die Frau geachtet
Im Coffeeshop.

Hätte ich sie wahrgenommen
Angesprochen und gelacht
Lebensglück hätt‘ ich bekommen
Heut im Coffeeshop.

©Michael Kalters

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Allein

Allein

Eiskalter Wecker erlöst gemein
vom letzten Alptraum der Nacht.
Bitter das Licht –
und wieder allein.

Blick in den Spiegel hinein.
Leeres Gesicht darin
verhöhnt dich –
und wieder allein.

Schmutzige Tasse, zerstörtes Design,
fader Kaffee darin
ätzt den Magen –
und wieder allein.

In den Nachrichten schrein
empörte Massen.
Nur noch ausschalten –
und wieder allein.

Ihr Gesicht so schön und fein,
ihre Lippen warm,
ihr Herz so falsch –
und wieder allein.

Nachts – am Himmel gelber Schein.
Schwarzes Meer am Hals,
das Salz in den Lungen –
für immer allein.

©Michael Kalters

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Heimweh – wonach?

Heute stolperte ich über ein Gedicht von Mascha Kaléko und möchte es hier kurz vorstellen.

Mascha Kaléko
HEIMWEH, WONACH?

Wenn ich »Heimweh« sage, sag ich »Traum«.
Denn die alte Heimat gibt es kaum.
Wenn ich Heimweh sage, mein ich viel:
Was uns lange drückte im Exil.
Fremde sind wir nun im Heimatort.
Nur das »Weh«, es blieb.
Das »Heim« ist fort.

 

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Nachtspaziergang am Meer

Nachtspaziergang am Meer

Die Nacht ist laut und lau.
Geruch von Meer und von Urin.
Eine Straße voller Wirbel,
sie und er darin.

Nicht dass da Ruhe wäre
in den Herzen, nein.
Nur Spannung, nur Denken,
ein jeder allein.

Und doch zusammen verflochten so eng,
ohne Worte verschmolzen.
Das Starren der Leute gerne verdrängt
in der Schwüle des Moments.

Und dann das Gehen am Strand,
Dunkelheit und der Wellen Schimmer.
Im Mondlicht nun Hand in Hand
und getrennt für immer.

Mit verschiedenen Sprachen ein Hauch
von Verstehen. Mehr ahnen
als wissen. Und doch: Warum auch?
Nur hier ist jetzt, und dann – vorbei.

Sie sitzen zusammen, ganz nah.
Auf den Schuhen, denn die Steine
sind nass. Fast wie die Augen.
Glück? Zeit? Fragen?

Für zwei ohne Chancen
ein großer Moment.
Er muss genügen für lange Zeiten.
Und überstehen viele Schmerzen.

Als sie dann gingen, verlor die Zeit
ihren Kampf. Sie war nicht mehr wichtig.
Sie existiert nun nicht mehr.
Sowieso- es gibt keine Wiederkehr.

©Michael Kalters

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Star und Fan

Niemand ist verstehend,
auch kein Ich,
keiner ist begreifend
was kommt da über mich?

Lichterstäbe vor dem Schwarz.
Tropfen auf den Scheiben.
Fremdheit gewaltig im Dunkeln
lässt mich nicht bleiben.

Hundertmal mit dir gesungen
doch du kennst mich nicht.
Tausendmal das Lied mit dir
und ich hab doch kein Gesicht.

Hand erhoben, lachend der Mund.
Ist nicht alles nur gelogen?
Wimpernschläge für Millionen,
doch mich hast du betrogen.

Bleibt für mich das Dunkel.
Mitleidlos das Feuer frisst.
Du glänzend stehst im Licht.
Gelogen mir die Nächste bist.

©Michael Kalters 2017

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Undank

Undank

Wer in der Welt zu prahlen weiß,
Der trägt davon den Ehrenpreis;
Doch wer im stillen Gutes schafft,
Und daran setzt die ganze Kraft,
Den tritt als hochwillkommnen Raub
Die Menge achtlos in den Staub. —

Gertrude Triepel (1863-1920)
Aus der Sammlung Die Menschen und wir

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