Nachtspaziergang am Meer

Nachtspaziergang am Meer

Die Nacht ist laut und lau.
Geruch von Meer und von Urin.
Eine Straße voller Wirbel,
sie und er darin.

Nicht dass da Ruhe wäre
in den Herzen, nein.
Nur Spannung, nur Denken,
ein jeder allein.

Und doch zusammen verflochten so eng,
ohne Worte verschmolzen.
Das Starren der Leute gerne verdrängt
in der Schwüle des Moments.

Und dann das Gehen am Strand,
Dunkelheit und der Wellen Schimmer.
Im Mondlicht nun Hand in Hand
und getrennt für immer.

Mit verschiedenen Sprachen ein Hauch
von Verstehen. Mehr ahnen
als wissen. Und doch: Warum auch?
Nur hier ist jetzt, und dann – vorbei.

Sie sitzen zusammen, ganz nah.
Auf den Schuhen, denn die Steine
sind nass. Fast wie die Augen.
Glück? Zeit? Fragen?

Für zwei ohne Chancen
ein großer Moment.
Er muss genügen für lange Zeiten.
Und überstehen viele Schmerzen.

Als sie dann gingen, verlor die Zeit
ihren Kampf. Sie war nicht mehr wichtig.
Sie existiert nun nicht mehr.
Sowieso- es gibt keine Wiederkehr.

©Michael Kalters

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Star und Fan

Niemand ist verstehend,
auch kein Ich,
keiner ist begreifend
was kommt da über mich?

Lichterstäbe vor dem Schwarz.
Tropfen auf den Scheiben.
Fremdheit gewaltig im Dunkeln
lässt mich nicht bleiben.

Hundertmal mit dir gesungen
doch du kennst mich nicht.
Tausendmal das Lied mit dir
und ich hab doch kein Gesicht.

Hand erhoben, lachend der Mund.
Ist nicht alles nur gelogen?
Wimpernschläge für Millionen,
doch mich hast du betrogen.

Bleibt für mich das Dunkel.
Mitleidlos das Feuer frisst.
Du glänzend stehst im Licht.
Gelogen mir die Nächste bist.

©Michael Kalters 2017

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Undank

Undank

Wer in der Welt zu prahlen weiß,
Der trägt davon den Ehrenpreis;
Doch wer im stillen Gutes schafft,
Und daran setzt die ganze Kraft,
Den tritt als hochwillkommnen Raub
Die Menge achtlos in den Staub. —

Gertrude Triepel (1863-1920)
Aus der Sammlung Die Menschen und wir

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