Abschied ist ein Sterben

Abschied ist ein Sterben

Als ich dich traf
war jede Träne eine Melodie
auf dem Weg
des Sterbens.

Deine Schwermut löste
mich im Innern auf
und trennte messergleich
mein Herz in tausend Scheiben.

Dort, wo dein Lächeln
schließlich alles wieder
heilen und verbinden sollte,
vorwurfsvolle Augen nur.

Da sah ich plötzlich auch
die tiefen Furchen
in deinem vollkommenen Gesicht
und die zerbroch’nen Träume.

Ein Teil von dir wäre ich
aus ganzer Seele
und von Herzen gern,
zum Sterben und zum Leben auch.

Der Puls deines Lebens
und die Stärke
deiner Leidenschaft
reißen mich nieder zum Boden.

Wir verweilen nicht mehr.
Umsonst ist alles
Empfinden für dich
und deines für mich.

Alleine und mit eigner Qual
stirbt jeder seinen Tod für sich.
Einmal noch umarmt sind wir eins
im letzten aller Augenblicke.

©Michael Kalters

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Begegnung

Begegnung

Ich lief auf der Straße
vorbei am Hafen
und sah eine Frau,
wie sie mürrisch blickte.

Der Wind wehte ihr Haar
in Wogen ins Gesicht
und zog kalt
an ihrem dünnen Kleid.

Ich ging vorbei und vergaß
die mürrisch Blickende
mit ihrem Haar
im unglücklichen Gesicht.

°°°

Ich spaziere auf der Straße
unten am Hafen
und probe im Kopf
einen meiner Songs.

Ein Mann im Wind blickt
sehr mürrisch auf mich
und mir wird kalt
in meinem dünnen Kleid.

Ich werde singen für Leute
die wie er sind,
alles abschätzend wissend,
damit es ihnen warm wird.

©Michael Kalters

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Der Sprung ins Meer

Der Sprung ins Meer

 

Als der Mond das Wasser küsste
um wenig später zu versinken
in der Flut. So als müsste
er für immer drin ertrinken,
sprang ich ihm dann hinterher.
Die Müdigkeit war grenzenlos
Und die Seele nur noch leer.
Flüchten in des Meeres Schoß!
Das Wasser drang und nahm
Die Luft zum Atmen mit Gewalt.
Die Glieder wurden lahm
Und alles in mir kalt.
Und kurz bevor das Leben
mit Hohn und Spott dann wich
sah ich den Mond erheben
so gelb und hämisch sich.
Ein falscher Freund, mit Lüge
er mich in die Falle zog!
Jetzt spür ich die Intrige!
Zu spät! Da ist der Tod.

©Michael Kalters

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Sterben ist ein’ schwere Buß

Sterben ist ein schwere Buß (Volkslied 1795)

Sterben ist ein schwere Buß,
weiß wohl, dass ich sterben muss.
Und ein Röslein rosenrot
pflanzt mein Schatz nach meinem Tod.

Auf den Kirchhof wollt ich gehn,
tat das Grab schon offen stehn,
und das Grab war schon gebaut,
hab es traurig angeschaut.

War wohl sieben Klafter tief,
drinnen lag ich schon und schlief.
Als die Glock‘ hat ausgebraust,
gingen unsre Freund‘ nach Haus.

Sterben ist ein harte Pein,
wenn’s zwei Herzallerliebste sein,
die des Todes Sichel schneidt,
ach, das ist das größte Leid.

Denn was hilft ein Blümelein,
wenn es heißt ins Grab hinein!
Ach, was hilft ein Röslein rot,
wenn es blüht nach Liebes Tod!

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Ausgebrannt

Fast schlafend und im Reich
des Trägen sitze ich im Bus.
Ampel Rot. Ein Halt so weich.
Schau ich zur Seite wie durch Ruß.

Ich blicke in zwei trübe Augen.
Müde wagen sie mich anzustarren
im Schutz der Scheiben, laugen
sie mich aus mit freundlichem Beharren.

Ampel Grün. Ein Schlag der Lider.
War da Hoffnung aufgeflammt?
Schließe die Augen.Träume wieder.
Tut mit leid. Bin ausgebrannt.

©Michael Kalters

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Nennt ihr das Seele?

Nennt ihr das Seele?

(Rainer Maria Rilke)

Nennt ihr das Seele, was so zage zirpt
in euch? Was, wie der Klang der Narrenschellen,
um Beifall bettelt und um Würde wirbt,
und endlich arm ein armes Sterben stirbt
im Weihrauchabend gotischer Kapellen, –
nennt ihr das Seele?

Schau ich die blaue Nacht, vom Mai verschneit,
in der die Welten weite Wege reisen,
mir ist: ich trage ein Stück Ewigkeit
in meiner Brust. Das rüttelt und das schreit
und will hinauf und will mit ihnen kreisen …
Und das ist Seele.

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Der Tod der Geliebten

Der Tod der Geliebten

(Rainer Maria Rilke)

Er wusste nur vom Tod was alle wissen:
Dass er uns nimmt und in das Stumme stößt.
Als aber sie, nicht von ihm fortgerissen,
nein, leis aus seinen Augen ausgelöst,

hinüberglitt zu unbekannten Schatten,
und als er fühlte, daß sie drüben nun
wie einen Mond ihr Mädchenlachen hatten
und ihre Weise wohlzutun:

da wurden ihm die Toten so bekannt,
als wäre er durch sie mit einem jeden
ganz nah verwandt; er ließ die andern reden

und glaubte nicht und nannte jenes Land
das gutgelegene, das immersüße –
Und tastete es ab für ihre Füße.

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