Sterben ist ein’ schwere Buß

Sterben ist ein schwere Buß (Volkslied 1795)

Sterben ist ein schwere Buß,
weiß wohl, dass ich sterben muss.
Und ein Röslein rosenrot
pflanzt mein Schatz nach meinem Tod.

Auf den Kirchhof wollt ich gehn,
tat das Grab schon offen stehn,
und das Grab war schon gebaut,
hab es traurig angeschaut.

War wohl sieben Klafter tief,
drinnen lag ich schon und schlief.
Als die Glock‘ hat ausgebraust,
gingen unsre Freund‘ nach Haus.

Sterben ist ein harte Pein,
wenn’s zwei Herzallerliebste sein,
die des Todes Sichel schneidt,
ach, das ist das größte Leid.

Denn was hilft ein Blümelein,
wenn es heißt ins Grab hinein!
Ach, was hilft ein Röslein rot,
wenn es blüht nach Liebes Tod!

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Ausgebrannt

Fast schlafend und im Reich
des Trägen sitze ich im Bus.
Ampel Rot. Ein Halt so weich.
Schau ich zur Seite wie durch Ruß.

Ich blicke in zwei trübe Augen.
Müde wagen sie mich anzustarren
im Schutz der Scheiben, laugen
sie mich aus mit freundlichem Beharren.

Ampel Grün. Ein Schlag der Lider.
War da Hoffnung aufgeflammt?
Schließe die Augen.Träume wieder.
Tut mit leid. Bin ausgebrannt.

©Michael Kalters

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Nennt ihr das Seele?

Nennt ihr das Seele?

(Rainer Maria Rilke)

Nennt ihr das Seele, was so zage zirpt
in euch? Was, wie der Klang der Narrenschellen,
um Beifall bettelt und um Würde wirbt,
und endlich arm ein armes Sterben stirbt
im Weihrauchabend gotischer Kapellen, –
nennt ihr das Seele?

Schau ich die blaue Nacht, vom Mai verschneit,
in der die Welten weite Wege reisen,
mir ist: ich trage ein Stück Ewigkeit
in meiner Brust. Das rüttelt und das schreit
und will hinauf und will mit ihnen kreisen …
Und das ist Seele.

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Der Tod der Geliebten

Der Tod der Geliebten

(Rainer Maria Rilke)

Er wusste nur vom Tod was alle wissen:
Dass er uns nimmt und in das Stumme stößt.
Als aber sie, nicht von ihm fortgerissen,
nein, leis aus seinen Augen ausgelöst,

hinüberglitt zu unbekannten Schatten,
und als er fühlte, daß sie drüben nun
wie einen Mond ihr Mädchenlachen hatten
und ihre Weise wohlzutun:

da wurden ihm die Toten so bekannt,
als wäre er durch sie mit einem jeden
ganz nah verwandt; er ließ die andern reden

und glaubte nicht und nannte jenes Land
das gutgelegene, das immersüße –
Und tastete es ab für ihre Füße.

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Ich fürchte mich so vor der Menschen Wort

Ich fürchte mich so vor der Menschen Wort

Ich fürchte mich so vor der Menschen Wort.
Sie sprechen alles so deutlich aus:
Und dieses heißt Hund und jenes heißt Haus,
und hier ist Beginn und das Ende ist dort.

Mich bangt auch ihr Sinn, ihr Spiel mit dem Spott,
sie wissen alles, was wird und war;
kein Berg ist ihnen mehr wunderbar;
ihr Garten und Gut grenzt grade an Gott.

Ich will immer warnen und wehren: Bleibt fern.
Die Dinge singen hör ich so gern.
Ihr rührt sie an: sie sind starr und stumm.
Ihr bringt mir alle die Dinge um.

Rainer Maria Rilke, 21.11.1898, Berlin-Wilmersdorf

Manchmal

Manchmal

Traurig schauernd schneiden Klänge durch den Äther,
legen wie Ölstaub schmierend auf die Seele sich.
Melodien fiebernder Lieger saugen
manchmal alles Leben auf.
Manchmal bricht der Blick des Alten
und widerspiegelt, was sinnlos war im Leben.
Manchmal und immer öfters: eisiger Atem
umschließt und presst heraus die Hoffnung.
Umfasst Verstand und Gefühl wie die Krake ihr Opfer.
Es gehen die Vertrauten oder sind schon fort,
das Schöne der Welt mit sich nehmend.
Manchmal muss der Schmerz unendlich sein.
Manchmal ist er nicht zu tragen.
Manchmal stirbt man.
Manchmal Hoffnung.
Manchmal.

©Michael Kalters

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